Gerrit Behrens

Seminarbericht zum Seminar „Ökonomische und politische Bedingungen der Globalisierung“



Ich bin am Ende froh, dass ich mich entschlossen habe, dieses Seminar zu besuchen. Denn meine Erfahrungen, die ich im Laufe dieses Semesters im Seminar gesammelt habe, kann man wirklich als neu bezeichnen. Noch nie zuvor habe ich in meiner universitären Laufbahn solch' ein Seminar erlebt. Die Form des Erwägungsseminars mit seinem Fokus auf einen Haupttext und der Betrachtung seiner zur Diskussion stehenden Kritiken ist für mich neu gewesen. Besonders die zeitaufwendigen Diskussionen über das gemeinsame Verständnis der grundlegenden Begriffe in den zu bearbeitenden Texten werden mir wohl stark in Erinnerung bleiben. Auch wenn diese Unterhaltungen manchmal wie ein Fass ohne Boden wirkten, sind und waren sie für mich eine äußerst positive Erfahrung. Das Fundament, welches so geschaffen ist, scheint mir ein gutes Werkzeug um aufkommende Fragen eines Seminars in der Tiefe und Breite besser zu beantworten. Das alles braucht aber seine Zeit, Zeit die es für Seminare im laufenden Alltag einer Massenuniversität leider nicht gibt, was ich persönlich sehr schade finde und gerade als Student der Soziologie oft vermisse. Was mir auch positiv aufgefallen ist, war die Bereitschaft aller, das Seminar aktiv zu gestalten, was sicherlich auch an der Größe der Gruppe gelegen haben mag. Dabei möchte ich die leitenden Professoren nicht ausschließen. Die Bereitschaft sich aktiv und faktisch gleichgestellt als Teilnehmer im Seminar zu integrieren, schafft flache Hierarchien zwischen Professor und Student. Ein weiterer nennenswerter Punkt war die Bereitstellung von Informationen, Beiträgen und Ergebnissen über die LEO - Plattform. Ein Beitrag, der über die "normale" Seminargestaltung hinausgeht und leider noch nicht allen Seminaren an der Uni zum Alltag gehört.

Doch nicht alle Dinge waren für mich so positiv wie geschildert. Kritisieren möchte ich zum Beispiel die zum Teil chaotischen Diskussionen. Es fiel mir manchmal schwer, den Diskussionen im Einzelnen zu folgen. Da wurden Gedanken aufgegriffen und dann nicht richtig zu ende und ausdiskutiert. Es hat mir der "Rote Faden" bei der Diskussion der verschiedenen Themen gefehlt. Anstatt einen Gedanken über das Zwei-Mann-Gespräch hinaus weiter auszudiskutieren, wurde vieles nur angesprochen und manche Überlegungen eher willkürlich eingestreut. Als Nebenfachstudent hat mir da das ein oder andere Mal die Sicherheit im Umgang mit wirtschaftstheoretischen Grundlagen gefehlt, um den Gedanken schnell und sicher aufzunehmen. Kurze Einwürfe waren somit eher irritierend als hilfreich. Hier hätte ich mir, wie gesagt lieber eine klarere Gesprächsführung gewünscht, bei der es die Möglichkeit gegeben hätte, den verschiedenen Beiträgen auch im ganzen Umfang zu folgen.

Was die Inhalte betrifft, bin jetzt wohl gut ausgestattet zu einer Diskussion über Ethik und Moral in der Wirtschaft einen würdigen Beitrag zu leisten. Besonders durch die tiefe und breite, zeitlich aufwendige Analyse der Texte habe ich über das Seminar hinaus nun ein Werkzeug in der Hand, welches mir in Zukunft sicher sehr hilfreich sein wird, kritischer bei der Arbeit mit wissenschaftlichen Texten zu sein.