Kurzprotokoll zum Erwägungsseminar „Globalisierung“ 15. Sitzung (04.02.2011)

 

Anwesende:  Siehe Liste

 

Moderation: niemand

 

Protokoll: niemand

 

Tagesordnung:

 

1. Bestätigung des Kurzprotokolls der 14. Sitzung: erfolgt!

 

2. Diskussion des Papiers von Thomas Jensch

 

3. Diskussion des Papiers von Juliane Gerstenberger und Thomas Hänsch

 

4. Abschließende Bemerkungen

 

Zu 2: Thema ist „Chinas Engagement in Afrika aus westlicher Sicht“. M. H. wird ausgelost und gibt ein kurzes, referierendes Statement. Die anschließende Diskussion nimmt etwa folgenden Verlauf: China befolge das Prinzip der Nichteinmischung aus eigenen, innenpolitischen Interessen heraus. Aus westlicher Sicht sei das problematisch. Die Souveränität eines Staates müsse auch aus dem Blickwinkel der Menschenrechte betrachtet werden. Dann könne es allerdings dazu kommen, dass jede Minderheit einen eigenen Staat gründen wolle. Das Problem dabei bestehe darin, dass solche Staaten eventuell wirtschaftlich nicht überlebensfähig und dann auf internationale Hilfe angewiesen sein könnten. Der Hinweis, dass es einen sehr langfristigen Trend zu immer mehr Staaten gibt, wird zur Kenntnis genommen. Die Frage, ob auch dieses Phänomen ein Ausdruck der Globalisierung ist, bleibt offen. Das Vordringen Chinas nach Afrika umfasse nicht nur wirtschaftliche, sondern auch kulturelle Aspekte. Es werde planmäßig betrieben. Die These, dass westliche Staaten so nicht vorgehen könnten, wird mit Hinweis auf die enge Verbandelung von Politikern mit Wirtschaftsbossen in Frage gestellt. Plausibler sei das geringe Interesse westlicher Staaten an diesem Kontinent. Des Weiteren wird die These angegriffen, dass der Handel zwischen China und Afrika ein koloniales Muster aufweise (Rohstoffe gegen Fertigwaren). Das träfe dann auf die reichen erdölexportierenden Länder ebenfalls zu. Für die Afrikaner sei das konkurrierende Angebot Chinas auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe jedenfalls vorteilhaft. Da es jedoch zugleich der Erschließung von Rohstoffen diene, blieben diejenigen Länder auf der Strecke, die nicht anzubieten haben.

 

Abschließend wurde die Stilfrage aufgeworfen, die so sehr abgeklärt sei, dass das Interesse des Autors an der Thematik nicht mehr zu erkennen sei. In der weiteren Diskussion wurde deutlich, dass diese Kritik mit einer Parteinahme für bestimmte Interessen verwechselt wurde. Sie betraf aber das erkenntnisleitende Interesse der Studie: Welcher Zusammenhang wird aus welchem Grund thematisiert und analysiert?

 

Zu 3: Thema ist „Beeinflusst die ökonomische Globalisierung die Einkommensungleichverteilung?“ Diese Gemeinschaftsarbeit hat den Zweck, den (hypothetisch angenommenen) Zusammenhang zwischen Globalisierung, Wohlfahrt und Einkommensverteilung sowohl auf internationaler als auch nationaler Ebene zu untersuchen. Im Fall der internationalen Beziehungen gäbe es die These der Globalisierungskritiker, dass die Ungleichheit zwischen den Staaten zunehme. Eine sich immer weiter öffnende Schere zwischen arm und reich werde jedoch auch auf nationaler Ebene von maßgebender Seite her festgestellt (Armutsbericht). Da die Studie statistisch angelegt ist, wurde zunächst in Frage gestellt, ob eventuelle Ergebnisse für den Einzelfall überhaupt Bedeutung haben können. Möglicherweise ist diese Frage auch dadurch angeregt worden, dass in dem vorgelegten Papier gerade dieser Punkt – nämlich die Besonderheiten der analysierten Einzelfälle – besonders betont worden ist. Daraufhin wurde versucht, die Vorgehensweise statistischer Studien zu erläutern, vor allem den Punkt, dass eine statistisches Ergebnis mit einer Wahrscheinlichkeitsaussage gekoppelt werden muss und dann ebenfalls als „eindeutig“ (aber eben nicht als „eindeutig“ im mechanisch deterministischen Sinne) zu bezeichnen sei. Die von den Autoren verwendete Regression wurde in mehrfacher Hinsicht kritisiert: die Herkunft und die theoretische Begründung sei unklar, es sei nicht beachtet worden, dass den Variablen möglicherweise ein statistischer Trend zugrunde liege (à eventuell müssen die Differenzen zwischen aufeinanderfolgenden Werten verwendet werden) und das Ergebnis werde in der zusammenfassenden Darstellung nicht berichtet.

 

Die Autoren erläuterten die zahlreichen Probleme, auf die sie gestoßen sind. Zunächst sei die Datenbasis nicht vollständig genug, um die zahlreichen Faktoren, die sonst noch eine Rolle spielen, einbeziehen zu können. Ein gravierendes Problem bestehe darin, dass das Ergebnis mit den offiziellen Einschätzungen der Entwicklung in Deutschland nicht übereinstimme.

 

Als lehrreich wurde herausgestellt, dass die Studie zeige, was alles erwogen werden müsse, um auch nur einen einzigen Zusammenhang empirisch nachweisen zu können.

 

Zu 4.: Zum Abschluss wurden die Evaluation und ihre Ergebnisse diskutiert. Kritisch wurde angemerkt, dass Anonymität nicht gegeben war. Der Sinn der Frage nach dem Unterschied des Erwägungsseminars zu Talkshows wurde dahingehend geklärt, dass sie auf das Niveau der Veranstaltung zielte. Eine (ebenfalls nicht unproblematische) Alternative sei der Ausdruck „Stammtisch“. Von Seiten der Lehrenden wurden die überwiegend positiven Einschätzung mit Überraschung registriert und den Teilnehmern für die interessanten Diskussionen gedankt.

 

Außerhalb des Protokolls soll hier nochmals darauf hingewiesen werden, dass die überarbeiteten Referate im Laufe der Semesterpause eingereicht werden sollten, damit sie auf der Webseite des Erwägungsseminars veröffentlicht werden können. Bei einer Besucherzahl von 30 – 100 täglich (je nach Jahreszeit und Monat, siehe Webstatistik unter www.forschungsseminar.de), an der die Webseite evoeco.forschungsseminar.de einen bedeutenden Anteil hat, wird die Sicherung der Qualität der Veröffentlichungen immer wichtiger.

 

Protokollant:

G. Quaas