Kurzprotokoll zum Erwägungsseminar „Globalisierung“ 10. Sitzung (04.06.2019)

 

Anwesende Interessenten: 11

 

Ablauf:

 

1. Organisatorisches

- Moderation? Niemand

- Protokoll? Niemand

- Diskussion des Kurzprotokolls? Keine weiteren Ergänzungen

 

2. Diskussion zu Braunbergers Darstellung der Theorie von Schumpeter

 

Wie kommt man von einem statischen Wirtschaftsmodell zu einem dynamischen Modell? Durch exogene Schocks? Im System von Walras sind Innovationen exogene Schocks. Wenn exogene Schocks die Basisparameter ändern, ändert sich auch das Gleichungssystem, das ein neues Gleichgewicht definiert. Für Schumpeter ist eine Wirtschaft, die aufgrund steigender Bevölkerungszahlen und einer gewissen Sparquote wächst (Solow 1956), keine dynamische Wirtschaft. Die Dynamik basiert auf Innovationen des Pionierunternehmers. Schumpeters Pionier hat nicht genügend Geld – er braucht einen Kredit. Darum: Ohne Banken kein Wachstum. - Das sei nicht sehr real. Einige Unternehmen haben selber genug Geld. Aber die Aussage ist auch in einem anderen Sinne nicht plausibel: Kreditierung findet laufend statt, und zwar nicht nur für Pioniere, sondern auch für Wirte. Nicht sehr realistisch sei auch die Unterstellung, dass Banken über ausreichend Intelligenz verfügen, um den erfolgreichen Pionier zu erkennen.

 

Mit der Kaufkraft des Kredits entzieht der Unternehmer den anderen Marktteilnehmern Ressourcen. (Bei Hayek: erzwungenes Sparen.) Ist die Innovation erfolgreich, verbreitet sie sich – andere imitieren die Innovation. Durch Spill-over-Effekte verbreitet sich die erste Welle des Aufschwungs und reißt die Wirte mit sich. Die Preise steigen durch die vermehrte Nachfrage nach Gütern und nach Krediten. Die Zweite Welle setzt spätestens dann ein, wenn der Pionier seine Kredite zurückzahlt. Dabei wird dem Wirtschaftskreislauf Geld entzogen. (Schumpeter unterstellt, dass die Vergabe eines Kredites zugleich Geldschöpfung aus dem Nichts sei.) Inzwischen sind die Kosten gestiegen, so dass die weniger rentablen Unternehmen Pleite gehen.

 

Der Marktbereinigung freien Lauf zu lassen, war die Leitidee vor und in der Great Depression (1929-1939) in den USA. Bis auf wenige Ausnahmen sind die meisten Ökonomen inzwischen der Meinung, dass in dieser Situation der Staat eingreifen sollte. Nach Schumpeter gibt es einen Punkt, an dem die Marktbereinigung in einer Rezession in eine sich verstärkende Abwärtsbewegung mündet (Depression). So weit sollte man es nicht kommen lassen.

 

Auch im Abschwung gibt es Gewinner, die den Freiraum ausnutzen, um ihre Projekte zu realisieren. Das sind die Kräfte, die für den nächsten Aufschwung sorgen.

 

3. Vorbereitung der nächsten Sitzung:

Folgende Alternative war im Angebot: (i) Elsenhans Globaler Keynesianismus, (ii) die Theorie von Kondratieff, (iii) Übersicht über Keynes Krisentheorie.  

 

Favorisiert wird (iii). Der Lesetext wird in Kürze eingestellt.

 

In den folgenden Sitzungen werden die Ideen zu den beabsichtigten Hausarbeiten vorgestellt.

 

Protokollant:

G. Quaas