Protokoll zum Erwägungsseminar
„Globalisierung“ 8. Sitzung (04.12.2018)
Anwesende: 19
Ablauf
1. Organisation
2. Protokollkontrolle
3. Diskussion zu Harari
4. Diskussion zu Ötsch
5. Aufgaben für das nächste Seminar
Zu 1.: Protokoll: Ruben Zamora Gonzalez
Moderation: niemand
Zu 2.: zu ergänzen: drei weitere Hausarbeitsthemen
Zu 3.: Die
Diskussion um Hararis Text wurde weitergeführt. Zunächst wurde besprochen, ob
Wirtschaftswachstum tatsächlich das höchste Gut des Kapitalismus sei.
Es wurde die Meinung vertreten, dass Wachstum zumindest ein Aspekt des
Kapitalismus ist und in gewisser Weise gar nötige Bedingung.
Es wurde angemerkt, dass aus der Sicht des Autors Wachstum vor allem mit der
Kreditvergabe in Verbindung gebracht wurde, schließlich wurden in der jüngeren
Vergangenheit ein immer höheres Kreditvolumen erreicht.
Danach wurde der Frage nachgegangen, ob
Kapitalismus ohne Wachstum funktioniert. Am Beispiel von Griechenland wurde
begründet, dass Wachstum notwendig sei, um Kredite zurückzuzahlen. Dagegen
wurde eingeworfen, dass man auch ohne Wachstum Kredite zurückzahlen könne, es
müsse lediglich an einer anderen Stelle gespart werden.
Anscheinend funktionieren aber auch andere Strategien, so wie etwa in Portugal.
Dort wurde keine Austeritätspolitik verfolgt, öffentliche Investitionen weiter
gesteigert und damit die Neuverschuldung im Rahmen der EU-Konvergenzkriterien
eingehalten. Auf der anderen Seite wurde am Beispiel Italiens gezeigt, dass
steigende Sozialausgaben (Rente, Arbeitslosengelder) wohl keine Ausgaben seien,
die in Zukunft Wachstum versprechen. Zusammengefasst kann man sagen, dass man
nicht sparen muss, um Kredite zurückzuzahlen. Jedoch müssen weitere Ausgaben
vielversprechende Investitionen sein. Zum Ende dieses Themas wurde noch
diskutiert, dass höhere Sozialausgaben auch den Konsum steigen lassen, was ja
auch ein wichtiger Antrieb der Wirtschaft ist. Zu beachten ist aber auch hier,
dass Konsum nicht nur die heimische Wirtschaft wachsen lässt, da auch die
Importe steigen. Die Frage, ob man Konsum oder Produktion ist sicherlich eine
kontroverse Frage, die auch nicht erschöpfend diskutiert werden konnte.
Des Weiteren wurde eine der Degrowth-Thesen diskutiert, dass Schulden auch bei
0-Wachstum zurückgezahlt werden können. Man könnte auch höhere Inflation
zulassen, um Schulden leichter zurückzuzahlen. Dagegen sind aber viele
etablierte, finanzstarke Länder, denn dadurch könnten sich Machverhältnisse
grundlegend ändern.
Als nächstes wurde eine Textstelle auf S.
384 thematisiert: „Fragen Sie doch einmal spaßeshalber einen Kapitalisten, wie
man Gerechtigkeit und politische Freiheit nach Simbabwe oder Afghanistan
bringen kann. Wahrscheinlich bekommen Sie einen Vortrag zu hören, dass
Wohlstand und eine prosperierende Mittelschicht die Voraussetzung für stabile
demokratische Institutionen sind und dass afghanische Hirten zu
Unternehmensgründern werden müssen.“.
Dies wurde als eine naive Sichtweise aufgegriffen. Außerdem fiel mal wieder
auf, dass Kapitalismus und Neoliberalismus als Begriffe von Autoren nicht
ausreichend getrennt werden und als Synonyme verwendet werden. Hier muss man
sicherlich die Stilmittel des Autors betrachten, denn mittels Übertreibung
möchte er wohl darstellen, dass diese Meinung innerhalb des Kapitalismus
vertreten wird, was sich ja wieder mit dem obersten Credo Wachstum in
Verbindung setzen lässt. An dieser Stelle kritisiert der Autor wohl, dass man
mit dieser Sichtweise einige wichtige Nebenbedingungen der Realität außer Acht
lässt (unfaire Handelspraktiken, strukturelle Ungleichheit,…).
Frau Quaas stellte infrage, ob denn
Wachstum für immer möglich wäre: diese Frage wollte der Autor wohl auch beim
Leser ins Bewusstsein rufen (siehe Ende des Kapitels). So sind die Ressourcen
der Erde nicht unendlich vorhanden. Dies bleibt eine Frage, die in Zukunft eine
wesentliche Rolle spielen wird. Hier wurde jedoch auch angemerkt, dass es neue
Entdeckungen immer wieder gab und dass Innovationen ein Teil bzw. eine Eigenschaft
des Kapitalismus sein könnten. Außerdem haben wir ja mit Dienstleistungen und
Information Ressourcen, die zumeist unerschöpflich sind. Offen bleibt trotzdem
die Frage, ob die Ressourcen der Erde mit der Zeit doch endgültig erschöpft
werden und sich keine grundlegenden neuen Nutzungsmöglichkeiten ergeben werden.
Die Diskussion richtete sich dann wieder
auf den Umgang mit Schulden. Ein Vorschlag war, Schuldenschnitte weitreichend
einzuführen. Dies wäre jedoch wahrscheinlich auch mit großer Unsicherheit verbunden.
Andererseits wurde vorgeschlagen, einfach Geld zu drucken, Inflation in Kauf zu
nehmen und so weitere Ausgaben zu finanzieren (oder Schulden abzubauen). In dem
Zusammenhang wurde behauptet, dass Geld nicht aus dem Nichts geschaffen werden
kann und durch Sicherheiten gedeckt wäre. Viel mehr sind Krisen durch
Missbrauch entstanden und nicht durch das Geld aus dem Nichts. An dem Punkt
wurden jedoch Zweifel gehegt, teils auch wegen nicht erweiterter Kenntnisse in
der Geldtheorie. Deswegen wurde darum gebeten, einen Text, der dieses Thema
behandelt, zu lesen.
Anschließend wurde eine weitere These von
Harari betrachtet, in welcher er sinngemäß postulierte, dass nur Forschung
gefördert wird, die Gewinne abwirft. An dieser These wurde beträchtliche
Zweifel geäußert. Es ist wohl auch eine Behauptung, die seine Argumente weiter
stützt.
Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass
sich das Buch an sich schlüssig lesen lässt, aber dass man an vielen Stellen
genau hinschauen muss und nicht Teile der Wahrheit ausblenden darf.
Zu 4.: Zum
nächsten Mal vorbereitet werden: die Texte von Ötsch und Reckwitz
Protokollant:
Ruben Zamora Gonzalez