Kurzprotokoll zum Erwägungsseminar „Globalisierung“ 6. Sitzung (07.05.2019)

 

Anwesende: 28 eingeschriebene Teilnehmer, davon 6 nicht anwesend, 1 Gast, 2 Dozenten = 25

 

Ablauf:

 

1. Organisatorisches

- Moderation? Niemand

- Protokoll? Niemand

- Diskussion des Kurzprotokolls? Keine weiteren Ergänzungen

- Abgabe der Hausarbeit soll spätestens (!) am 31. August erfolgen. Bis Ende Juni sollen die Ideen (!) zu den Themen im Seminar vorgestellt werden. Bearbeitung des Themas soll erst nach Bestätigung und möglichst in einem Team (max. 3 Personen) erfolgen.

 

Die Hausarbeit soll ein Essay sein, das einen lockeren Bezug zum Thema „Krisentheorien“ hat.

 

2. Diskussion zu Hayek: „Gibt es einen Widersinn des Sparens?“

 

Das Statement gibt L. Schied: Hayek hat als Vertreter des Liberalismus eine komplett andere Theorie als Catchings/Foster.

  

Zur Geschichte des Textes: Habilvortrag, Robbins lädt aufgrund dessen Hayek an die LSE ein, dieser hält dort vier Vorlesungen und wird berufen.

 

Wo kommt der Titel her? Vom Übersetzer J. Kuzcynski.

 

Wie kann man meinen, dass Sparen widersinnig ist?

 

Theorie von C&F: Der Markt funktioniert einwandfrei, wenn das gesamte Produkt (Konsumgüter!) durch die Einkommen gekauft wird, die durch die Produktion generiert werden. Wird ein Teil des Einkommens gespart, kommt es zur Absatzstockung. Ein Teil der Produkte ist verloren, weil sie nicht gekauft werden. Die Produktion wird eingeschränkt und Arbeiter entlassen. Das ist die Ursache von Krisen und konjunkturellen Schwankungen. 

 

Als wirtschaftspolitische Gegenmaßnahmen schlagen C&F vor, dass der Staat die Kaufkraft aufstockt – eine Vorwegnahme von Keynes.

 

Hayek kritisiert zunächst die Annahmen, akzeptiert sie aber dann, um sich in diesem Rahmen zu bewegen.

 

Theoretisch kann man unter dieser Voraussetzung noch Folgendes tun: die Variablen variieren, sukzessiv die Annahmen lockern, die Konsequenzen des Modells aufdecken, innere Widersprüche nachweisen oder blinde Flecken entdecken.

 

Hayek entdeckt den folgenden blinden Fleck: C&F übersehen, dass es auch eine Nachfrage nach Investitionsgütern gibt (= sein Haupteinwand). Anders formuliert: Rolle und Funktion des Kapitalstocks werden von C&F ignoriert. Demnach stellt sich eine krisenfreie Entwicklung bei gleichen Prämissen wie folgt dar:

 

Unternehmer sparen, indem sie auf einen Teil ihres Konsums verzichten. Da sie die Ersparnis zugleich investieren (Investitionsgüter kaufen), bleibt die gesamte Nachfrage konstant. Investieren erfordert, Arbeitnehmer zu engagieren. In einer geschlossenen Volkswirtschaft können diese nur von anderen Unternehmen kommen. Dazu müssen höhere Löhne angeboten werden. Die Beschäftigung bleibt so in der Investitionsphase konstant, aber die Lohnsumme erhöht sich. Das gleicht einen Teil des Konsumverzichtes, den die Unternehmer leisten, aus. Das Angebot an Konsumgütern wird in der Investitionsphase geringer, wenn einige Unternehmen Arbeiter abgeben müssen. Das Problem der Absatzstockung kann überhaupt erst dann entstehen, wenn die neuen Produkte auf den Markt kommen. Mengenmäßig wird sich das Angebot (z.B. an Konsumgütern) erhöhen, da bei einer Neuinvestition die neuste Technologie angewandt wird, die produktiver als die älteren ist. Der Pionier-Unternehmer kann es sich aber leisten, die Produkte billiger anzubieten (die Stückkosten sind geringer, auch wenn höhere Löhne gezahlt werden). Damit stehen mehr Produkte bei geringeren Preisen als Angebot zur Verfügung, die selbst von einer sinkenden Lohnsumme gekauft werden könnten.

 

[Hayeks Theorie ist hier noch nicht zu Ende, aber weiter ist das Seminar nicht gekommen.]        

 

3. Vorbereitung der nächsten Sitzung: Kritik von Emil Lederer (Hayeks Replik später). Dazu den Hayek Text noch einmal durchdenken!

 

Protokollant:

G. Quaas