Kurzprotokoll
zur Sitzung des Erwägungsseminars „Politische Theorie der Gegenwart in achtzehn
Modellen“ vom 21.11.2017
Tagesordnung:
1.
Protokollkontrolle
2.
Fortsetzung des Textes zu Etzioni
3.
Übergang zu Popper/Albert
4.
Aufgaben für die nächste Sitzung
ad
1:
Keine
Änderungswünsche.
Der
im Seminar so nicht gefallenen Begriff
„quasi-laizistisch“ wird als sehr treffend für den Tenor der Diskussion
eingeschätzt.
ad
2:
-
Die
Diskussion setzt mit dem Bezug auf Etzionis „Die
faire Gesellschaft. Jenseits von Sozialismus und Kapitalismus“ in der Lesart
von Walter Reese-Schäfer fort.
-
Ein
erster Diskussionspunkt ist die darin enthaltene Kritik der Neoklassik, die Etzioni unter drei Aspekten vornimmt. (i) gäbe es mindestens
zwei nicht weiter reduzierbare „Nutzen“ (Vergnügen und Moral). Zur Erläuterung wird durch die Gruppe das 1. Gossensche Gesetz herangezogen, zugleich aber bemängelt,
dass die Kritik schon deswegen nicht richtig greifen könne, weil generell ein Operationalisierungsproblem des Nutzens bestehe, das auch
nicht durch den Übergang vom kardinalen zum ordinalen
Nutzen behoben ist. Die Kritik Etzionis zu (ii)
Rationalität der Entscheidungen und (iii) strikt methodologischer
Individualismus im Kontrast zum Holismus wird als stichhaltiger reflektiert und
mit den von Etzioni vorgeschlagenen Varianten akzeptiert:
zu Punkt (ii): rationales Entscheidungsverhalten als Sonderfall und Punkt (iii):
Überlappung des Ich und Wir.
-
Des
Weiteren wird Etzionis Ziel einer Sozioökonomik als
deontologische Sozialwissenschaft diskutiert. In diesem normativen Kontext wird
noch einmal auf die bezweifelbare Natur des Menschen als Homo oeconomicus
verwiesen und mit dem Hinweis auf spieltheoretische Experimente gestützt, die
im Zuge der Entwicklung der Verhaltensökonomik gemacht worden sind. Kurz wird dazu auch der Werturteilsstreit und die Dichotomie von
Zielen und Mitteln in der traditionellen Wirtschaftspolitik herangezogen.
-
Die
Forderung Etzionis nach „eingekapseltem Wettbewerb“
wird vor dem Hintergrund verschiedener wettbewerbstheoretischer Ansätze
diskutiert, u.a. dem Ordoliberalismus der Freiburger
Schule. Diesbezüglich wurde die von Reese-Schäfer unterstellte große
Ähnlichkeit mit Etzionis Modell des eingekapselten
Wettbewerbs als relativierungsbedürftig angesehen, da für Eucken und seine
Mitstreiter der freie Wettbewerb ein Ideal darstelle, das es durch den Staat zu
schützen gelte, und zwar vorzugsweise durch Ordnungspolitik. Das gilt für Etzionis Ansatz nicht in gleicher Weise. Dieser setzt nicht
nur auf eine staatlich-politische Form der „Kapsel“, sondern diese könne auch
normativ und sozial gebildet werden. Außerdem wird Wettbewerb viel kritischer
gesehen, da er immer eine Form von Konflikt beinhalte.
ad3:
Infolge
der ausführlichen Diskussion unter 2. konnte der 3. Tagesordnungspunkt nicht
mehr behandelt werden und musste verschoben werden.
ad 4.
In
der Sitzung am 28.11. werden die Ansätze von Popper und Albert in der Lesart
von Reese-Schäfer diskutiert.
Um
einen Vorlauf an bereits angekündigten Texten zu haben, wird das Kapitel 10
(Hayek, Mises, Rothbard)
eingestellt und soll nach Möglichkeit auch schon vorbereitet werden.
Der
Vorschlag, sich mit Hannah Ahrendt zu beschäftigen, wird in einer späteren Sitzung
realisiert werden.
Protokoll:
Friedrun Quaas