Kurzprotokoll zum Erwägungsseminar „Globalisierung“ 4. Sitzung (08.05.2018)

 

Anwesende: 14

 

Ablauf

 

1. Organisation

 

2. Protokollkontrolle

 

3. Diskussion zum Kapitel 2

 

4. Diskussion zum Kapitel 3

 

5. Aufgaben für das nächste Seminar

 

Zu 1. Protokoll: niemand

 

Moderation: niemand

 

Zu 2.: keine Änderungen

 

Zu 3/4.: Das Statement gibt nach Auslosung Randi Domasky, indem sie feststellt, dass nach Piketty ein Wirtschaftswachstum von 2-3% langfristig gesehen utopisch sei. Auf Nachfrage ergänzt sie, dass der Abstand zwischen Kapitalrendite und Wachstumsrate nach Piketty eine destabilisierende Wirkung habe. Warum, kann niemand  bislang erklären.

 

Es wird herausgearbeitet, dass der Rückblick auf das Bevölkerungswachstum der historischen Einordnung dient. Die Frage, warum die Wirtschaftspolitik heutzutage ein Wachstum von möglichst über 2% anstrebt, wird mit Hinweis auf verschiedene Aspekte beantwortet: Politische Gründe: Wohlstand und Umverteilung; psychologische Gründe: wachsende Wünsche; ideologische Gründe: Sieg des marktwirtschaftlichen Modells; ökonomische Gründe: wachsendes Angebot, das auf eine wachsende Nachfrage trifft, da auch die Einkommen steigen. Erst nach einer längeren (gesteuerten) Frage-Antwort-Spiel wird klar, dass eine expansive Wirtschaftspolitik eine Reaktion auf den stetigen Wegfall von Arbeitsplätzen (besser: auf ein sinkendes Arbeitsvolumen bei wachsender Produktivität) infolge technologischer Innovationen ist.  

 

Das gezielte Abarbeiten von (Teil-) Fragen, die letztlich der Beantwortung einer bislang offenen Frage dienen, wird von der Gruppe nicht positiv aufgenommen. Gewünscht wird eine schrittweise, erschöpfende Behandlung der jeweils aufgeworfenen Frage. Dies sei am besten durch eine engere Anlehnung der Diskussion an den Text zu erreichen. 

 

Zu 5.: Zum nächsten Mal ist nochmals das Kapitel 3 vorzubereiten; außerdem das Kapitel 4.

 

Faktencheck:

 

In Zusammenhang mit Maddisons Schätzung der Wachstumsraten der Weltbevölkerung würde erwähnt, dass bei Homer 100-200 Tausend Griechen die Stadt Troja belagerten. Diese Zahl wurde als Legende bezeichnet und behauptet, es handele sich um lediglich 2-3 Tausend Soldaten.

 

Beleg für die Zahl 100.000: John A. Scott: Homer’s Estimate of the Size of the Greek Army

 

Protokollant:

G. Quaas

 

Nachtrag:

 

Sehr geehrter Herr Dr.Quaas,

 ich möchte Sie hiermit bitten, das Protokoll der EvoEco Veranstaltung des 08.05.18 (in einem für das Seminar unwesentlichen Punkt) zu korrigieren.

Ich habe die Zahlenangabe von 100.000 Griechen/Achäern auf Seiten der Angreifer bestritten und darauf hingewiesen, daß Troja, eine für spätbronzezeitliche Verhältnisse bedeutende Stadt von 5.000-10.000 Einwohnern, vermutlich (nur) ca 2.000-3.000 wehrhafte Männer aufbieten konnte.

Vgl dazu Korfmann/Pernicka http://www.salimbeti.com/micenei/history.htm

 Was ich verdeutlichen wollte, ist der zweifelhafte Wert von (Zahlen-)Angaben antiker Autoren (vgl Max Delbrück, Geschichte der Kriegskunst http://www.zeno.org/Geschichte/M/Delbr%C3%BCck,+Hans/Geschichte+der+Kriegskunst/1.+Teil.+Das+Altertum/1.+Buch.+Die+Perserkriege/1.+Kapitel.+Heereszahlen.+Vorbereitendes)

 Sogar in dem von Ihnen angegeben Text steht

"Professor Seymour, in his Life in the Homeric Age, p. 586 has this sentence:

"If the Catalogue of the Ships be left out of account we have left only slight indications that the Greek army numbered more ten or even five thousend men."" (s165, erster Absatz), was mir als militärhistorischem Laien deutlich plausibler erscheint. Und selbst dann gilt, das die Versorgung von 10.000 Mann über einen längeren Zeitraum in der damaligen Zeit über die Distanz eine  logistische Herkulesaufgabe gewesen wäre.

 Zur Historizität der sogenannten *Schiffsliste* vgl B.Niese *Der homerische Schiffskatalog als historische Quelle betrachtet*

(https://archive.org/stream/bub_gb_v4ECAAAAQAAJ/bub_gb_v4ECAAAAQAAJ_djvu.txt)

 Resümee: "...somit ist der historische Werth des Schriftstücks gleich Null."(s56)

 Aktueller als die obigen Autoren http://www.academia.edu/1956887/Noch_einmal_der_homerische_Schiffskatalog_in_Ch._Ulf_Hrsg._Der_neue_Streit_um_Troia_eine_Bilanz_M%C3%BCnchen_2003_287-308

 auch hier, der Katalog wiederspiegelt Gegebenheiten des 7./8. Jahrhunderts bc (also ca 400-500 Jahre und das Epos dient einer *panhellenischen Idenditätsvermittlung*.

 Noch ein letzter Punkt zur Vermittlung oraler Traditionen auf dem Balkan https://de.wikipedia.org/wiki/Gusle#Regionen_der_balkanischen_Heldenepik der dort angegebene Ćor-Huso Husović erscheint mir etwas wie Homer ...

(er wurde NIE von einem Journalisten/Wissenschaftler etc angetroffen, aber ALLE Sänger beriefen sich darauf, bei ihm gelernt zu haben)

 Ich weiss, als (mehr oder minder) regelmäßiger Leser von Ökonomenstimme, dass Sie sich Links verweigern, hoffe jedoch trotzdem, zumindest kleinere Zweifel an der Wahrhaftigkeit homerisch-konkreter Zahlenangaben geweckt zu haben.

Ich hatte aufgrund unserer kleinen Diskrepanz das Vergnügen, meine (bescheidenen) Kenntnisse über die damaligen Verhältnisse aufzufrischen bzw zu aktualisieren.

 Mit der erneuerten Bitte, das Protokoll um ein unwesentliches Detail zu korrigieren verbleibt mit besten Wünschen für den wunderbar sonnigen Sonntag

 

Thomas Richter