Protokoll Erwägungsseminar vom 29.04.2011

 

Anwesende: Essers, Göller, Behnisch, Daum, K. Müller, F. Quaas, G. Quaas, R. Scholz, Wiengerten, Arglist, Bucher

Protokollant: Essers

 

Tagesordnung

1)      Bestätigung des Protokolls der letzten Sitzung

2)      Diskussion des Erwägungsinitials Kapitel 1+2 unter Gesichtspunkten der Analysetafel

3)      Festlegung für die nächste Sitzung

 

1) Tagesordnung wird gebilligt

 

Einwurf Scholz: zunächst auf Kapitel 1 beziehen, danach auf Kapitel 2, wegen Übersichtlichkeit der Diskussion

F.Quaas verliest Protokollanmerkungen aus Mail von Kreissel: - Kreissel habe Fleischproduktion angesprochen, durch die in DL Lohndruck herrsche; Kreissel: Titel stehen nicht im Protokoll.

 

2) Auslosung des Statements durch Arglist: Behnisch

 

Statement Behnisch:

-        die Frage im 1. Kapitel sei nach dem Verhältnis von Staat und Markt, die Dichotomie von Markt und Staat sei falsch, da Märkte Instanzen zur Regulierung brauchen, die durch wirtschaftspolitische Herrschaft hergestellt werden. Das sei die Haupthese, die historisch am Merkantilismus untermauert würde

G. Quaas: spricht sich für Scholz' Vorschlag aus: zunächst Kapitel 1;

  merkt an: Etablierung eines Marktes nur mit staatlicher Autorität im Hintergrund

 

Ziel der heutigen Sitzung war die Ausarbeitung der Analysetafel zu den ersten beiden Kapiteln.

Dabei zeigten sich Schwierigkeiten Phänomene und Thesen über Phänomene zu trennen. R. Scholz sieht das in Kapitel 1 beschriebene Phänomen im Verhältnis Staat und Außenhandel. G. Quaas betont, dass es eigentlich um die Expansion von Märkten auf andere Länder geht. F. Quaas und Göller gehen noch einen Schritt weiter und sehen das Thema in der Ausbreitung marktwirtschaftlicher Strukturen überhaupt. Diese würden wie in den Beispielen von Rodrik gezeigt, durch staatliche oder quasi-staatliche Gewalt etabliert.

Ein weiteres Thema der Diskussion ist die Frage, ab wann man von einem Markt sprechen kann. Beispielhaft: Wenn es in England Nachfrage nach Biberfellen gibt, die bisher aus Russland befriedigt wird, und dann die HBC in Neufundland mit staatlichem Monopol ausgestattet die Ureinwohner als Felllieferanten erschließt, existiert dann der Markt für Biberfälle in Neufundland schon vor der Etablierung von Regeln?

 

G. Quaas weist im Laufe der Diskussion mehrfach darauf hin, dass es für Märkte Tauschregeln bedürfe. „Ware gegen Leben“ – also Erpressung sei kein Markt. Um die Regeln zu etablieren brauche es staatliche Gewalt. Scholz und Müller sehen dagegen den Markt schon vor Erschließung als existent, allerdings seien die Transaktionskosten unendlich und der Staat würde diese auf ein vertretbares Maß senken.

Göller merkt an, dass am Beispiel von HBC deutlich wird, dass historisch zunächst kolonialisiert wurde, d.h. mittels Gewalt wurden Strukturen geschaffen mit und unter denen dann Handel getrieben wurde. Göller interpretiert Rodrik dahingehend, dass dies allgemeines Prinzip der Ausdehnung der Marktwirtschaft sei.

Im Laufe der Diskussion bringt Scholz den Begriff des Imperialismus ins Spiel. Göller ist unklar, wie weit Scholz diesen Begriff fasst. G.Quaas sieht den Imperialismus erst im 2. Kapitel thematisiert; das erste Kapitel beschäftige sich mit der Marktausdehnung.

G. Quaas versucht vermehrt zur Bearbeitung der Analysetafel zu motivieren. Die Trennung von Objektebene und Metaebene erscheint immer noch als schwierig und wird thematisiert. Bucher merkt an, dass in einem entwickelnden Markt irgendwann Staatseingriffe nötig werden, da er sich sonst nicht mehr selbst erhalten kann.

Scholz besteht immer wieder darauf, dass Außenhandel das Thema des ersten Kapitels sei und betrachtet die Senkung der Transaktionskosten als Phänomen, das beschrieben wird.

F. Quaas ist die „Ausdehnung des Marktes“ zu kurz gegriffen, sie sieht eher die Ausweitung der Marktgesellschaft als Ganzes angesprochen. Es werden Analogien aus der Physik zu labilen und stabilen Gleichgewichten und Oszillationen verwendet. Göller schließt sich F.Quaas an und spricht den territorialen Aspekt der Marktausdehnung an. F. Quaas weist wiederholt auf gesellschaftliche Rückkopplungen hin, die mit der Marktentwicklung einhergehen.

 

Die Gründe für die Ausdehnung des Marktes bzw. die Erschließung der nordamerikanischen Biberpelze wird erörtert. Scholz sieht den Grund im wachsenden Bedarf nach Biberpelzen in der alten Welt. In der Diskussion geht es um die Frage, ob der Markt ursächlich privatwirtschaftlich oder staatsouverän entstanden ist.

Scholz besteht weiterhin auf der Senkung von Transaktionskosten als hauptsächlichem Problem. G. Quaas will wissen, welche Transaktionskosten gesenkt würden, worauf Scholz anmerkt, dass Transaktionskosten zunächst definiert werden müssten. Ein Beispiel für Transaktionskostensenkung sieht er in dem Monopol durch die englische Krone, die die HBC von franz. Zugriff sichert, da dies einen Krieg mit England auslösen würde.

Nach Aufforderung von Scholz schreibt G.Quaas folgenden Ansatz für die Analysetafel an die Wandtafel:

 

 

Phänomen

These

1) Staat+Außenhandel

Außenhandel wird durch TK gehemmt, die durch staatliche Maßnahmen (Monopole) gesenkt werden

2) Expansion von Märkten

Markt erfordert Regeln die mit polit. Gewalt durchgesetzt+geschützt werden müssen

3) Entwicklung von Marktgesellschaften

Marktgesellschaften werden zum Teil durch Gewalt installiert (implizit aus der Diskussion ergänzt)

 

Zwischen Scholz und G. Quaas Diskussion, ob/wann ein Markt entsteht, und was es mit Regeln auf sich hat. G. Quaas weißt darauf hin, dass der Tausch (im Gegensatz zum Wegnehmen) eine Regel ist. G. Quaas macht dies an Beipielen deutlich.

 

F. Quaas möchte 1) und 3) auf der Metaebene zusammenfassen. Sie sieht auch Analogien von 2) und 3). Sie sieht in den Beispielen Rodriks tiefere Bedeutung.

Scholz fällt auf, dass Außenhandel i.A. zwischen Nationen stattfindet, die im Kapitel 1 nur einseitig existieren. G.Quaas merkt an, dass man es nicht so eng fassen muss. Er betont nochmals, dass es in Kapitel 1 um die Ausdehnung des Marktes geht.

F. Quaas wendet ein, dass es in der Tat schwierig ist, die Aussagen des Textes zu schematisieren.

 

3) Es folgt eine Reflexion der Diskussion:

Kapitel 2 wurde noch nicht behandelt; es wird beschlossen dennoch Kapitel 3 zu lesen.

Behnisch fand die Diskussion strukturierter als beim letzten Mal. Göller merkt an, dass die Unklarheit bei den Begriffsbestimmungen hemmend auf die Diskussion wirkt.

F. Quaas wünscht die Argumente durch Theorien zu stützen und die Thesen Rodriks zu prüfen.