Protokoll zum Erwägungsseminar „Globalisierung“ 2.Sitzung (15.04.2008)

 

Moderation: F. Quaas/ G. Quaas

Protokoll: Christian Keller

 

Tagesordnung:

 

1. Protokoll der letzten Sitzung

2. Diskussion und Beschluss der Regeln

3. Einführendes Statement

4. Diskussion des Hauptartikels

 

 

Ad 1)

 

Protokoll der 1.Sitzung erst kurzfristig eingestellt, daher Verschiebung der Diskussion/des Beschlusses des Protokolls auf die dritte Sitzung.

 

 

Ad 2)

 

Feststellung der neuen Teilnehmer, dass Regeln theoretischer Natur sind und erst in der Praxis beurteilt werden können. Daher werden die Regeln in Kraft gesetzt und ggf. später noch mal diskutiert.

 

 

Ad 3)

 

Das einführende Statement zum Hauptartikel Ulrichs gab F. Quaas. Sie expliziert drei wesentliche Begriffe des Artikels, die Phänomene darstellen: a)„Kritik der ökonomischen Vernunft“, b)„Kritik am Ökonomismus“ und c) „Integrative Wirtschaftsethik“

            a) Die ökonomischen Vernunft muss laut Ulrich zur Vernunft gebracht werden. Damit geht einher, dass Ulrich zunächst auf die Notwendigkeit einer philosophischen Ethik verweist, indem er der Ökonomik eine normative Sachlogik unterstellt. Das Explizieren der reinen Funktionslogik sei ja in Ordnung, aber ihr normativer Charakter sei nicht ausreichend legitimiert

            b) Der Ökonomismus, so stellt Ulrich fest, ist die Großideologie der heutigen Zeit. In diesem Sinne verweist er auf die Neoklassik. Die Funktionslogik ist in diese Konzeption integriert und wird aber normativ überhöht.

            c)  In Anlehnung an diese Ökonomismuskritik schlägt Ulrich seine alternative Konzeption der Integrativen Wirtschaftsethik vor. Sie soll vier Aufgaben erfüllen: Sie soll ein Grundverständnis für eine philosophische Ethik vermitteln, sie soll sich mit dem Ökonomismus auseinandersetzen, sie soll normative Grundorientierungen bieten und sie soll die Grundlagen einer Topologie der Moral klären, d.h.: Wo soll Moral Eingang finden?

 

Ad 4)

 

Die anschließende Diskussion setzte zunächst an Begrifflichkeiten an: Was ist normativ?

Mithilfe einiger Beispiele versuchte man sich dem zu nähern: Ist die Tür als Fakt bzw. Funktionsmechanismus normativ? Nein, so die fast einhellige Meinung der TeilnehmerInnen. Erst die Sinngebung der Gesellschaft, dass man nur die Tür zum Verlassen des Raumes benutzt (und nicht etwa die Fenster) ist normativ.

 

Ist der Markt normativ? Ist die Beschreibung der Funktionslogik mit Normativität belastet? Hat Effizienz tatsächlich vorschreibenden Charakter? Es wurde festgestellt, dass Normativität nur dann gegeben ist, wenn Normen bestehen. Außerdem wurde angemerkt, dass der Markt sehr abstrakt ist, und eine Diskussion auf Akteursebene vielleicht sinnvoller wäre. In diesem Zusammenhang wurde darauf verwiesen, dass sich die Probleme nicht so unähnlich sind, sowohl auf dem Markt als auch auf der Akteursebene (z.B. Aristotelische Hauswirtschaftslehre) geht es um Knappheitsprobleme.

Angesichts dessen sind Knappheitsprobleme und somit das Sachzwangargument nicht normativ, sondern ergeben sich aus den Präferenzen der Akteure: Wenn man überleben will, dann muss man auf dem Markt bestehen und effizient sein. Ist dieser Satz nun ein reines Konditional oder hat es doch einen gewissen normativen Charakter?

 

Die Ökonomik sei doch nur Theorie, andere meinten, mit der Implementation in die Gesellschaft wird die Ökonomik normativ, weil alles andere daran ausgerichtet sei. Wenn man zudem von politischer Ökonomie spreche, muss Ökonomie als normativ angesehen werden.

Andererseits gebe es keine Bereiche in der Ökonomie, die als normativ kritisiert werden können, außer der Homann-Schule, von daher treffe die Kritik Ulrichs am Ökonomismus weder die ökonomische Theorie, noch die Ökonomen. Ist die Wissenschaft also rein deskriptiv und nur die Praxis normativ? Ein Einwand lautete, dass z.B. die BWL ja keinen Sinn machen würde, wenn die Studenten nur die Theorie, wie man Gewinne maximiert, um der Theorie willen lernen. Dahinter stecke doch der Gedanke, dieses Wissen auch anzuwenden.

 

In der weiteren Diskussion wurde dann mal theoretisch angenommen, dass Ökonomik einen normativen Charakter habe. Zunächst wurde festgestellt dass Normen von Moral unterschieden werden müssen. Daran anknüpfend wurde versucht, die Moralität der Ökonomik zu bestimmen. Wenn die ökonomische Theorie normativ ist, ist sie dann auch moralisch?

Ulrich ((24)) sagt ja, weil die Sachzwanglogik des Marktes parteilich zugunsten unternehmerischer Lebensformen sei. Wirtschaften sei aber nur ein Teil des Lebens. Diskutiert wurde dann die Frage, ob Moral an sich nicht situationsabhängig sei. Als Beispiel wurde hier das Gebot „Du sollst nicht töten“ angeführt, welches bei Soldaten teilweise außer Kraft gesetzt zu sein scheint. Die Vorstellung einer Universalisierbarkeit der Moral wurde deswegen bezweifelt, da verschiedene Kulturen ja vielleicht auch unterschiedliche Moralvorstellungen haben können (Bsp: Terrorist vs. Besatzer). Hieraus entsprang dann der Gedanke, dass sich Moral vor allem nur im Kontakt zwischen verschiedenen Menschen abspielen kann.

 

Das Gebot der Effizienz erschien manchem Teilnehmer unmoralisch, da ja nicht alle Individuen dem gerecht werden könnten und dies eine Einschränkung der persönlichen Freiheit bedeute. Eine andere bisher unwidersprochene Sichtweise äußerte sich in der Ausweitung des Nutzenbegriffs. Es sei ja nutzbringend (soziale Anerkennung), seinen pflegebedürftigen Großeltern Hilfe zukommen zu lassen. Von daher sei das Prinzip der Effizienz nicht unmoralisch, sondern sogar auf weitere Lebensbereiche anwendbar. Wenn man ökonomisch seinen Nutzen maximiert, dann könne man aus diesem Nutzengewinn Wohltaten finanzieren.

 

Themen der nächsten Woche:

 

1. Ulrich((44)): “republikanischer Liberalismus“ > Begriff klären

2. Diskussion des Hauptartikels: Was beinhaltet Ulrichs Konzeption der „Integrativen Wirtschaftsethik“